Windeck-Leuscheid, im Juno 2019
Ergonomie-Studien


ERGONOMIE wird als die Wissenschaft von den Möglichkeiten und Grenzen der Leistung des arbeitenden Menschen sowie der besten wechselseitigen Anpassung zwischen Mensch und Arbeitsbedingungen beschrieben. Beruflich veranlaßtes Lesen ist Arbeit. Doch leider kann eine »wechselseitige Anpassung« zwischen Lesemensch und Berufstext häufig nicht gelingen. Die Gestaltung von Berufslektüre entspricht zumeist nicht der richtigen Ergonomie. Und so wird berufliches Lesen durch ungeeignete Bedingungen, unter denen gelesen werden muß, und infolge schlechter Textgestalt oder ausuferndem Umfang des Lesestoffs zumeist als Last und nicht als Lust erlebt.



Das Turbo-Lesen: Eine Erste Evaluation
ISBN 978-3-9810018-2-2; erscheint 2019


Die Textbild-Methode: lesen • denken • lernen
ISBN 978-3-9810018-3-9; erscheint 2019



Ein besonderes Verfahren, das in vielfältiger Weise die an beruflich bedingtes Lesen zu richtenden ergonomischen Anforderungen berücksichtigt, stellt die von Rotraut Hake-Michelmann und Walter Uwe Michelmann entwickelte »Textbild-Methode« dar. Ein zusammenfassender Aufsatz der Autoren zu dem Thema »Textbild« mit dem Ttitel »Leseverständnis: Ein Bild vom Text, das Textbild« erschien in der Neuauflage 1998/2002 der Fachschrift für »Lesen-Innovation & Ergonomie-Studien • L.I.E.S.« der »DGfbL • Deutsche Gesellschaft für berufliches Lesen e.V.«.

Seine persönlichen Erfahrungen mit dem Textbildverfahren faßte ein Vereinsmitglied für den Bucheinband des für den Herbst 2019 geplanten Titels »Die Textbild-Methode: lesen • denken • lernen« zusammen. Die nachfolgende Veröffentlichung hat die freundliche Genehmigung des Autors.

Die Methode Textbild • Erfahrungen aus der Praxis
Von Dr. iur. [...] [ehemaliges Vereinsmitlglied]*
  • Jeder, der liest, verfolgt einen bestimmten Zweck. Wer Fachliteratur bearbeitet bzw. beruflich zu lesen hat, verfolgt in der Regel den Zweck, Kenntnis vom Inhalt des Gelesenen zu erhalten. Ziel des beruflichen Lesens ist somit, Wissen zu mehren.

  • Wer ein großes Maß an Lesestoff zu bewältigen hat, ist über weitere Arbeitsschritte zusätzlich zu dem eigentlichen Lesen zunächst nicht begeistert.

  • Mit dem Lesen allein ist es jedoch nicht getan. Ein Computer »liest« und »behält«: Was eingegeben wurde, kann abgespeichert werden. Ein Mensch liest, hat aber nicht automatisch verstanden und behalten.

  • Jeder bedient sich daher unterschiedlicher Techniken des Verstehens und Behaltens: Dazu gehört oft die erneute Textbearbeitung anhand des Originaldokuments oder anhand eines »Surrogats«. Verwendete Hilfstechniken sind das Markieren, Ausschneiden oder Abheften von Text.

  • Die Methode Textbild schafft eine klare Arbeitssystematik, um Text effektiv und effizient zu bearbeiten. Je umfangreicher ein Dokument ist, desto wirkungsvoller läßt es sich mit der Methode Textbild bearbeiten.

  • Eine Textdarstellung nach der Methode Textbild berücksichtigt die physiologischen Aspekte des menschlichen Sehens (insbesondere die Blickgröße und die Dauer eines Blickes).

  • Ein Textbild ist multifunktional verwendbar: Es dient nicht nur dem Erfassen und Verstehen von Text, sondern kann darüber hinaus z.B. als Inhaltsverzeichnis, Lerngrundlage und Vortragsvorlage eingesetzt werden.
*Der Autor ist promovierter Jurist (Universität Bonn) und Diplom-Verwaltungswirt (FH). Er veröffentlicht Aufsätze zu sozialrechtlichen Themen, zum Beispiel in ZESAR (Zeitschrift für Europäisches Sozial- und Arbeitsrecht).



Auszug aus einem Aufsatz vom Januar 1999 der Fachschrift für »Lesen-Innovation & Ergonomie-Studien • L.I.E.S.« der »DGfbL • Deutsche Gesellschaft für berufliches Lesen«:

Mit Vokalisation: Das Lesen pflegen
Von Walter Uwe Michelmann*

Kinder, die lesen lernen, sprechen innerlich mit, sie lernen zu subvokalisieren. Dessen sind sie sich allerdings nicht bewußt. Auch die meisten Lehrer wissen nichts von der Subvokalisation, helfen ihren Schülern aber dabei, diesen guten Geist der Lesefunktion ordentlich zu installieren. Das Lesenlernen, die Installation der Lesefunktion, beginnt zumeist mit dem Vokalisieren durch Vorlesen.

Eine spezielle Störung seines Lesens erlebte Herr C., Geschäftsführer in einem mittleren Unternehmen. Wichtige Berichte und Fachartikel gingen täglich über seinen Schreibtisch. So war es ihm besonders peinlich, daß ausgerechnet sein Chef ihn eines Tages dabei erwischte, als er doch tatsächlich über dem Lesen buchstäblich eingeschlafen war. Sein Chef weckte ihn unsanft aus dem vermeintlichen Büroschlaf und erfuhr, daß dies Herrn C. nicht zum ersten Mal passiert war. Bei der eingeleiteten Ursachenforschung dachte man zunächst an gesundheitliche Mängel. Jedoch: Internist, Neuorologe und Augenarzt bescheinigten Herrn C. eine unverwüstliche Gesundheit und Falkenaugen. Lesen und dabei einschlafen, im Sitzen am Schreibtisch, regelmäßig? Da gab es nur Kopfschütteln.

Herr C. erzählte dem Autor, er habe ein halbes Jahr vor dieser peinlichen Situation mit einem Leseoptimierungsbuch versucht, sich das Subvokalisieren, das innere Mitsprechen beim Lesen, abzugewöhnen, um endlich schneller lesen zu können.

Der Autor 'verordnete' Herrn C. tägliches zehnminütiges Vorlesen von Lektüre, die ihm Freude bereite. Einige Zeit danach berichtete Herr C., daß er wieder ganz gelassen sein Lesepensum im Betrieb hellwach bewältigen könne. Seine »Lesestündchen«, mindestens zehn Minuten täglich, behalte er vorsichtshalber bei. Sie seien eine gute Medizin!

*Der Autor, Diplom-Pädagoge (Universität Bonn), Initiator, Gründungsmitglied und ehrenamtlich geschäftsführender Vorstand der DGfbL e.V., schult und berät Führungskräfte, die ihr berufliches Lesen noch verbessern wollen.

Literaturhinweise
Habermann, G.: Stimme und Sprache. Stuttgart; New York 1986
Michelmann, R. und W.U.: Das Notenlesen und die Sprachmusik. In: Effizient lesen. Wiesbaden 1995.
Mumenthaler, M.: Neurologie. Stuttgart; New York 1990
Schmidt/Thews: Physiologie des Menschen. Berlin; Heidelberg; New York 1977



Im Jahre 2003 leitete Walter Uwe Michelmann, Diplom-Pädagoge, in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Gesellschaft »DGfbL e.V.« an der Universität Hamburg einen Trainingstag mit Graduiertenstudierenden zu dem Thema »Techniken und Strategien beruflichen Lesens«. Die Teilnehmenden waren damit einverstanden, daß ihre Lesedaten für ein Projekt des Forschung und Wissenschaft fördernden Vereins »DGfbL e.V.« verwendet werden:

Varianzmessungen
Leseübungen (LÜ) der sechs Studierenden im Filmstudium
der Universität Hamburg. Trainingstag: Mittwoch, 12. November 2003
Leitung: Diplom-Pädagoge Walter Uwe Michelmann

wpm: LÜ12 34 56 7
1) 27y, Filmstudent,
mit kfm. Ausbildung
170125250120105160230
2) 28y, Filmstudent,
mit M.A.-Abschluß
270255220255235270330
3) 26y, Filmstudent,
nach Studium VWL
315250195255275285310
4) 28y, Filmstudent,
als Rechtsassessor
245220215185195265330
5) 28y, Filmstudentin,
mit M.A.-Abschluß
235180180185195240265
6) 30y, Produktionsleiterin (Film)240170190195205235270


Die Leseübungen (LÜ) 1 bis 7 und die Testbedingungen:

    LÜ 1 - Aufsatz im »Handelsblatt« vom 06.01.2001: »Seiten fressen«

    LÜ 2 - »Vom Mythos der beiden Hirnhälften« • Wirtschaft & Weiterbildung 1/1991

    LÜ 3 - Glosse im Rhein-Sieg-Anzeiger vom 15.08.2001: »Namen sind nicht immer Schall und Rauch«

    LÜ 4 - Seiten 54 bis 69 in »Turbolesen« (Abschnitte zur Textbild-Methode)

    LÜ 5 - Text zur Abb. 5 in »Turbolesen« (Abschnitte zu »Lesen mit System«)

    LÜ 6 - Seiten 87 bis 93 in »Turbolesen«: »Das Schnell-Lesen: Evaluation«

    LÜ 7 - Aufsatz im »Kölner Stadt-Anzeiger« 11./12.10.1997: »Die Turbo-Leser«
Die 6 Studierenden im Filmstudium der Universität Hamburg befanden sich im letzten Semester ihres Zweitstudiums zur Ausbildung als Filmproduzenten. Ihr besonderes Leseanliegen richtet sich auf Drehbücher und auf im Zusammenhang mit diesen zu erarbeitende Bücher und Schriftstücke.

Alle empfanden sich als »zu langsam lesend«.

Jeder erhielt nach vorheriger telefonischer Leseanamnese in mindestens einem einstündigen Beratungsgespräch mit R. Hake-Michelmann und W.-U. Michelmann konkrete Instruktionen, wie es zu erreichen sei, die Übungstexte zügig zu lesen - ohne (gedankliches) Unterstreichen oder Innehalten beim Lesen: es gehe um die Simulation einer ersten Lektüre beruflich zu lesender Texte.

Die Reihenfolge der Leseübungen 1 bis 7 war für alle gleich. Jeder las 'im stillen Kämmerlein' auf 3 Wochen verteilt, beginnend mit LÜ 1 und mit LÜ 7 endend, vor dem von W.U. Michelmann geleiteten Trainingstag an der Universität Hamburg am 12. November 2003. An dem Arbeitstag wurde anhand der LÜ 2 beispielhaft die Leseleistung durch das Herstellen eines Textbildes und anhand dessen die Wiedergabe sowie mit 10 Multiple-Choice-Fragen gemessen. Ergebnis bei den MC-Fragen: 5 mit 50 % und 1 mit 60 %.

Die 6 Studierenden gaben ihr Einverständnis dazu, daß ihre Leseergebnisse einer wissenschaftlichen Auswertung zugeführt werden.

Die insgesamt 42 Leseübungen der 6 Studierenden im Filmstudium der Universität Hamburg zeigen hohe Varianz der Aufnahmegeschwindigkeit sowohl inter- als auch intrapersonell. Angestrebt wird eine repräsentative Auswertung im Bereich von mehr als 1.000 Berufslesern. Darum wird jeder meiner Leseschüler um diese sieben Leseübungen gebeten.